„Es interessiert die verborgene Struktur der einzelnen Kristalle, die durch die Auffaltung preisgegeben wird. Die in spielerischen-leichten Zeichnungen aufgefalteten Kristalle zeigen einen regelmäßigen inneren Aufbau, der wiederum eine verblüffende Ähnlichkeit mit von Menschen geplanten Anlagen hat…"
— Silke Wagler, Kunsthistorikerin · Faltblatt „Kantor" (Wechselstube), 2016
Über eine Zeichnung mit Tusche auf Papier, die ein abgewickeltes Kristallmodell zeigt, wurde eine zweite Zeichnung gelegt: bei Letzterer zeichnete ich mit transparenter Proteinlösung auf einem ebenfalls transparenten Polymergel den zugehörigen dreidimensionalen Kristallkörper. Erst das anschließende Fixierbad und die Färbelösung (Coomassie) erzeugt die bläuliche Färbung und lässt die Zeichnung sichtbar werden. Mittels Vakuum wird das Gel auf das Papier aufgebracht und „verbindet" sich dann zu einer Einheit.
In der Genetik wird das Gel als Trennmatrix genutzt, um Proteine aufzutrennen und diese näher untersuchen zu können. Unterstützt wurde ich hier vom Institut für Genetik der TU Dresden.
Diese Arbeitsweise ist ein bisschen wie Zeichnen mit Zaubertinte als Kind; sie ist nicht vollends kontrollierbar, sondern spielerisch, geheimnisvoll, überraschend. Zugleich erinnert der Prozess ein wenig an die Arbeit im Fotolabor, wenn das Bild in der Entwicklerlösung auftaucht.
„Kristalle und Mineralien stellen für mich eine Art Landschaftskomprimat dar…"
— Birgit Schuh