GROSSE KARTE (GG) ist eine Wandarbeit aus Formholz, Tusche und Lack — Teile des Wegesystems des Großen Gartens in Dresden, durch Hitze und Feuchtigkeit verformt und grau-schwarz überarbeitet.
In der Arbeit GROSSE KARTE (GG) habe ich mit speziell hergestellten Holzleisten Teile des Wegesystems des Großen Gartens nachgebaut. Das verwendete Material wird am Institut für Holz- und Stahlbau der Technischen Universität Dresden hergestellt und beruht darauf, sich die zelluläre Struktur des Rohstoffs Holz zu Nutze zu machen. Es wird mit Hilfe von Wärme und Feuchtigkeit verdichtet und kann anschließend durch gesteuerte Prozesse gezielt wieder auseinander gezogen und in der neuen Form fixiert werden. Während dies in der Wirtschaft zur kontrollierten und wiederholbaren Verformung genutzt wird, experimentiere ich mit dem Material und überlasse die Formveränderung zu weiten Teilen dem Zufall. Ich übertrage das dem Landschaftsmotiv innewohnende Prinzip der Natureinwirkung auf den künstlerischen Arbeitsprozess.
Mit Hitze und Wasser provoziere ich daher die Verformung und teilweise Zerstörung der zuvor von mir exakt konstruierten, planen Wegesysteme, um die Prozesse Planung, Formfindung, Zerstörung und Natureinwirkung laborartig zu erforschen und künstlerisch umzusetzen. Die Überarbeitung des Materials mit grau und schwarz – eine typische Farbigkeit aus dem Bereich der Zeichnung – begründet sich in meinem Interesse an der graphischen Struktur der Gebilde.
Die Verformung architektonischer Elemente durch Natureinwirkung kann im Übrigen fast analog auch im großen Maßstab stattfinden: so wurde 1940 in den USA die Tacoma-Narrows Bridge, eine Hängebrücke, durch Wind derart in Schwingung gebracht, dass sie zunächst verformt wurde und schließlich auseinanderbrach.