Im 19. Jahrhundert war Landvermessung mühevolle Feldarbeit: Von Anhöhe zu Anhöhe wurde über Sichtbeziehungen das trigonometrische Netz des Königreichs Sachsen erstellt — untrennbar mit der Landschaft verbunden, ehe es in ein zweidimensionales Kartensystem überführt wurde. Birgit Schuh bringt beide Seiten wieder zusammen: das Vermessungsnetz und die landschaftliche Situation. Sie nutzt dafür eine Formholzplatte, die auf Hitze und Feuchtigkeit reagiert — durch ihre Bearbeitung entsteht erneut ein dreidimensionales Objekt.
Natur und Landschaft sind die zentralen Themen in Birgit Schuhs Werk. In ihrem „Landschaftslabor" untersucht sie forschend konkrete Orte — geordnete, vom Menschen gezähmte Naturräume, die aus der Vogelperspektive schon wie geometrisch-abstrakte Gebilde wirken. Dafür findet sie eine eigene, sinnliche Form:
„Für die ‚trockene‘ Dokumentation gebändigter, topografisch genau vermessener und kartografisch bestens erfasster Landschaft wird eine neue sinnliche Form gefunden.“
Silke Wagler
„Topografie Triangulirung" geht vom trigonometrischen Vermessungsnetz des Königreichs Sachsen aus dem 19. Jahrhundert aus, das Schuh „als Bild" interessiert: Sie übersetzt seine räumlichen Aspekte zurück in eine körperlich erfahrbare Form. Ihre Themen erschließt sie analytisch-wissenschaftlich und arbeitet dabei betont strukturiert — eine Annäherung, die sich aus ihrer Affinität zur Mathematik erklärt.
Frei nach einem Text von Silke Wagler, Kunsthistorikerin und Leiterin des Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Faltblatt „Wechselstube · Kantor", 2014); das hervorgehobene Zitat im Wortlaut. Die historische Schreibweise „Triangulirung" ist bewusst gewählt.
Birgit Schuh transferiert auf bemerkenswerte Weise Sachverhalte aus der Theorie und Wissenschaft in künstlerische Objekte und beweist mit ihnen äußerst kreativ, dass „Kunst die Brücke sein kann zwischen Historie, Wissenschaft und künstlerischer Abstraktionsästhetik.“