Große Tücher in leuchtendem Blau und Grün, wie zufällig auf der grauen Betonmauer am Operationszentrum abgelegt — eine ortsbezogene Arbeit für das Klinikum der Universität München in Großhadern.
Auf der grauen Betonmauer fallen sie sofort ins Auge: die großen Tücher in leuchtendem Blau und Grün. Wie zufällig abgelegt erscheinen sie dort — und auf irritierende Weise deplatziert. Denn wer den Ort kennt und weiß, dass die lange Mauer zum Operationszentrum eines Klinikums führt, dem fallen sofort entsprechende Assoziationen ein: Blau und Grün sind die Farben der OP-Tücher und -Kittel, die in Krankenhäusern weltweit zum Einsatz kommen.
Das Kunstwerk greift in die räumliche Umgebung des Klinikums ein und deutet sie um: Es versteht das bebaute Gelände nicht als unveränderliche Setzung, sondern als offene, temporäre Situation, die vom Menschen gestaltet, immer wieder verändert und neu nutzbar gemacht wird — eine Art permanente Baustelle.
In diesem Verständnis lässt sich ein urbanes Gefüge auch als lebendiger Organismus begreifen, in dem etwa eine graue Betonmauer als „Patient" angesehen werden kann, der einem operativen — möglicherweise ästhetischen? — Eingriff entgegensieht.
Eines der zentralen Motive im Schaffen von Birgit Schuh kommt auch bei „Überwurf" zum Tragen: die Beschäftigung mit Landschaft und Architektur — ein Umgang mit Grundformen, mit Silhouetten, mit dem Veränderungspotenzial von Formen und Materialien. Dieser Umgang wirkt stets leicht, fast spielerisch. Und schwingt beim Titel „Überwurf" nicht auch der „Übermut" mit?
Bernhart Schwenk · Kurator für Gegenwartskunst, Pinakothek der Moderne, München