Gemeinsam als SCHUH/VOLKMER gestalteten Birgit Schuh und Michael Volkmer das Gästeappartement des Arp Museums Bahnhof Rolandseck zum Gesamtkunstwerk — einen „Elfenbeinturm" hoch über dem Rhein, der seine Gäste zum Bleiben verführt.
Im selben Projektzusammenhang entstand „SOS" — eine temporäre Gestaltung der Fassade des Wohnblocks, in dem die Museumswohnung liegt. Nachts leuchtet ein „SOS" aus den Glasbausteinen der Fassade: ein Signal über dem Rhein. So entsteht ein Gegensatzpaar: der nach innen gewandte Rückzugsort des Appartements und das nach außen gerichtete Signal an der Fassade — zwei Seiten desselben Ortes.
Anlässlich der Ausstellung „Rapunzel & Co. Von Türmen und Menschen in der Kunst" — und dauerhaft darüber hinaus — verwandelten Schuh/Volkmer das Gästeappartement des Arp Museums in ein Gesamtkunstwerk. Es liegt in der obersten Etage eines Wohnhauses der 1960er-Jahre direkt am Rheinufer, gegenüber dem Museum, mit freiem Blick auf das Rheintal und das Siebengebirge.
Drei ästhetische Stränge strukturieren die Räume: eigens gefertigte, schlichte hellgraue Möbel — Bank, Hocker, Bett und der Tisch mit hochglänzend himbeerroter Platte; Michael Volkmers Farbton Hellelfenbein, der Wände, Decken und Leuchtobjekte überzieht und alles in eine ruhige Atmosphäre taucht; und Birgit Schuhs Algrafien von Landvermessungspunkten des 19. Jahrhunderts, deren Wegenetze sich als großflächige Liniengeflechte auf pastellfarbigem Grund über die Wände ausbreiten.
So wird das Appartement zum bewohnbaren „Elfenbeinturm" — ein Ort erhabener Abgeschiedenheit für die Gäste des Museums, den man nur ungern wieder aufgibt. „Verlasse mich nie": eine Sehnsucht, die bleibt und vielleicht immer wieder an diesen Ort zurückführt.
Nach dem Begleittext des Arp Museums Bahnhof Rolandseck.
Birgit Schuhs Algrafien sind in den Flachdruck übertragene Frottagen von Vermessungssäulen des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf Anhöhen, Bergkuppen und Aussichtspunkten. Zwischen diesen Stationen besteht Sichtbeziehung; ihre Beziehung untereinander ergibt ein Dreiecksnetz, das Birgit Schuh auszugsweise direkt auf die Wände übertragen hat. Wie bei den Algrafien bleibt nur der Abdruck des Liniengeflechts – in der Markierungsfarbe Magenta und skizzenhaftem Graphit. In dieses Dreiecksgefüge eingespannt oder entlang einer vorgegebenen Linie erhalten Objekte und Bilder ihren Platz. Die Zahl Drei bestimmt das Liniengeflecht und findet sich auch in der Anzahl der Objekte und Bilder und in den Proportionen der Möbel wieder.